Berechnung Inzuchtkoeffizient & Ahnenverlustkoeffizient

IK & AVK

Inzuchtkoeffizient

Für die Berechnung des Inzuchtgrades gibt es verschiedene Methoden, die auf der (komplizierten) Formel von S. Wright basieren, der sie 1922 entdeckt hat. Die Gleichung zur IK-Berechnung lautet wie folgt:


= Anzahl der Generationen vom Vater zum gemeinsamen Ahnen
= Anzahl der Generationen von der Mutter zum gemeinsamen Ahnen
= Inzuchtkoeffizient des gemeinsamen Ahnen

Der Inzuchtkoeffizient wird berechnet für Vorfahren, die väterlicherseits (vls) und mütterlicherseits (mls) in der Ahnentafel mindestens je einmal vorkommen. Wenn ein Hund nur bei einem der Eltern mehrmals vorkommt, besteht keine Inzucht. (Definition von Inzucht: siehe Grundbegriffe der Genetik)

Es werden zuerst für jeden Hund, der doppelt vorkommt, die Anzahl der Generationen für jedes Erscheinen einzeln aufgeschrieben:

Am besten werden erst mal alle doppelten Hunde markiert und aufgeschrieben. Ich markiere am liebsten jeden in einer anderen Farbe, das gibt einen besseren Überblick als allein die Nummerierung. Diejenigen, die hinter den doppelten Hunden stehen, werden normalerweise NICHT weiter beachtet, denn „Linien, die schon gerechnet wurden, dürfen nicht ein zweites Mal gerechnet werden“.

Vater:
Elderberry´s Harvey
Großvater:
Ch. Abracadabra von Bismarck-Blue
Ur-Großvater:
Ch. Yac von der Schlehhecke
Ur-Ur-Großvater:
Lino von der Schlehhecke
Ur-Ur-Großmutter:
Ch. Raina-Lisa von der Schlehhecke
Ur-Großmutter:
Ch. Nevina vom Römersee
Ur-Ur-Großvater:
Ch. Blue-Balou van´t Buitengebeuren
Ur-Ur-Großmutter:
Ch. Gina vom Römersee
Großmutter:
Ch. Fayana von der Schlehhecke
Ur-Großvater:
Ch. Wenco von der Schlehhecke
Ur-Ur-Großvater:
Ch. Eraser v. Hs. Fresena
Ur-Ur-Großmutter:
Lou v.d. Schlehhecke
Ur-Großmutter:
Ch. Raina-Lisa von der Schlehhecke
Ur-Ur-Großvater:
Ch. Nahbay v. Hs. Tiefenbach
Ur-Ur-Großmutter:
Ch. Elderberry´s April
Mutter:
Baboun von Bismarck-Blue
Großvater:
Ch. Famous v.d. Schlehhecke
Ur-Großvater:
Ch. Wenco von der Schlehhecke
Ur-Ur-Großvater:
Ch. Eraser v. Hs. Fresena
Ur-Ur-Großmutter:
Lou v.d. Schlehhecke
Ur-Großmutter:
Ch. Raina-Lisa von der Schlehhecke
Ur-Ur-Großvater:
Ch. Nahbay v. Hs. Tiefenbach
Ur-Ur-Großmutter:
Ch. Elderberry´s April
Großmutter:
Ch. Nevina vom Römersee
Ur-Großvater:
Ch. Blue-Balou van´t Buitengebeuren
Ur-Ur-Großvater:
Ch. Yordache van´t Buitengebeuren
Ur-Ur-Großmutter:
Ch. Wichita van´t Buitengebeuren
Ur-Großmutter:
Ch. Gina vom Römersee
Ur-Ur-Großvater:
Ch. Erchino v. Lion´s Cottage
Ur-Ur-Großmutter:
Ch. Ninja van´t Buitengebeuren


In der Tierzucht benutzt man nun nicht mehr die komplizierte Formel von Wright, sondern man ist mit einem Näherungswert zufrieden. Bei diesem werden die Schritte zwischen dem gleich auftretenden Ahnen gezählt.

Wie folgt ist die Schritt zu Prozent Übertragung:
2 Schritte = 25,00 %
3 Schritte = 12,50 %
4 Schritte = 6,25 %
5 Schritte = 3,125 %
6 Schritte = 1,5625 %
7 Schritte = 0,78125 %
8 Schritte = 0,390625 %
9 Schritte = 0,1953125 %

In unserem Beispiel würde dies bedeuten:
Nevina vom Römersee: 4 Schritte = 6,25 %
Raina-Lisa v.d. Schlehhecke: 5 Schritte = 3,125 %
Raina-Lisa v.d. Schlehhecke: 6 Schritte = 1,5625 %
Wenco v.d. Schlehhecke: 5 Schritte = 3,125 %
Danach werden die Prozentzahlen zusammen gezählt und dies gibt dann unseren IK an: 14,06 %

Ahnenverlustkoeffizient

Mit dem Begriff Ahnenverlust (lat. Verflechtung) oder Ahnenschwund bezeichnet man in der Genealogie die Erscheinung, dass in der Ahnenliste eines Hundes Ahnen mehrfach auftauchen, so dass die Anzahl der tatsächlichen (verschiedenen) Ahnen niedriger ist als die bei Lebewesen mit zweigeschlechtlicher Fortpflanzung theoretisch mögliche Anzahl von 2n in der n-ten Voreltern-Generation. Innerhalb gewisser Grenzen ist es ein vollkommen normales Phänomen, das auf viele Generationen betrachtet jeden betrifft, bei Inzucht hingegen stärker ausgeprägt ist.

Besonders in der Hundezucht wird gelegentlich der sogenannte Ahnenverlustkoeffizient (AVK) als Maß für die Inzucht eines Individuums verwendet. Dazu berechnet man den Quotienten aus vorhandenen (A_v) und maximal möglichen Ahnen (A_m) über eine definierte Anzahl Generationen. Die Differenz zwischen dem Resultat und 1 (bzw. 100 %) entspricht dem gesuchten Wert.



Im Gegensatz zum Inzuchtkoeffizienten berücksichtigt der Ahnenverlustkoeffizient allerdings nicht, wie eng Vater- und Muttertier miteinander verwandt sind. Bei ingezüchteten, aber nicht eng miteinander verwandten Elterntieren kann dies dazu führen, dass der Nachwuchs einen hohen Ahnenverlust-, aber gleichzeitig einen niedrigen Inzuchtkoeffizienten aufweist.

Da der Grad der Inzuchtdepression sich nach dem Homozygotiegrad richtet, welcher wiederum durch den Inzuchtkoeffizienten gemessen wird, ist in solchen Fällen dem Inzuchtkoeffizienten mehr Bedeutung beizumessen als dem Ahnenverlust. Der Ahnenverlustkoeffizient liefert also bestenfalls einen Schätzwert, schlimmstenfalls aber völlig sinnlose Angaben zur wahren Inzucht. Er wird daher in der wissenschaftlichen Genetik nicht verwendet.